Projekt „Traum der Aline“

Die gefährdeten Mädchen von der Insel Sao Luis 

Das Projekt „Traum der Aline“ wurde von der Körperschaft „Associacao Beneficente Santa Clara“ der Olper Fransziskanerinnen in Sao Luis (Nordost-Brasilien) im November 2002 gegründet, um gefährdete Mädchen zwischen 7 und 14 Jahren aus ärmsten Verhältnissen, die sich in Risikosituationen befinden , aufzufangen (für Jungen gibt es schon anderweitige Einrichtungen).

Die Idee basiert auf dem Charisma der Gründerin der Olper Franziskanerinnen Mutter Maria Theresia Bonzel (als Kind „Aline“ genannt), die im 19. Jahrhundert mit Waisenkindern ihr caritatives Werk begann. Heutige Waisen sind die gefährdeten Kinder der Straße. Nachdem wir wochenlang auf den Straßen unserer Großstadt und in einigen Favelas (Armenvierteln) des Stadtrandes Kontaktpunkte für aufffällige Mädchen geschaffen hatten, fanden wir ein preisgünstiges Gelände ca. 30 km außerhalb des Stadtkernes im Gemeindebezirk von Sao José de Ribamar. Mit vielen kleinen und großen Spenden von deutschen Freunden und Wohltätern konnte der Kauf finanziert werden.

Am 17. März 2003 begannen wir mit 32 Mädchen; alle mager, blass, schüchtern oder aggressiv. Ehrenamtliche Frauen und Jugendliche aus dem umfeld boten sich an, uns Schwester beim „Liebgewinnen“ der Mädchen zu helfen und ihnen Zukunftshoffnung für ein menschen-würdigeres Dasein zu vermitteln. In den Werkstätten wurde für die Beschäftigung der Mädchen gesorgt. Parallel zur Betreuung dieser Mädchen besuchten einige von uns Schwestern regelmäßig deren Familien, um sie zur Mitverantwortung zu animieren.

Ein Grundprinzip unserer Aktion blieb bis heute aufrecht: wer morgens zum Projekt kommt, muss nachmittags die Schule in seinem Wohnviertel besuchen; wer nachmittags zu uns kommt, muss am Vormittag die Schule seines Viertels besucht haben! Das erforderte von uns, für die Haupternährung der Mädchen aufzukommen, ihren Transport zum Projektgelände sicherzustellen und ihnen Hilfe bei den Hausaufgaben zu vermitteln.

Finanzielle Hilfen aus Deutschland ermöglichten unserem Projekt das Überleben im ersten Jahr. Die Werkstätten Häkeln, Basteln (Blumen, Puppen, Wolltiere, Vasen, usw.) und Kulturtänze des Volkes (mit Festen und liturgischen Feiern) lösten bei den Aktiven helle Begeisterung aus. Kommentar der Mädchen: „Endlich wurde man mal satt am gedeckten Tisch, wir lernten beten, singen und erfuhren Lebensfreude“. Durch diese „Mundpropaganda“ wuchs die Zahl der Teilnehmerinnen im 2. Jahr auf 60. Hierfür benötigten wir natürlich noch größere Hilfen. Unser Projektgelände entpuppte sich als fruchtbares Erdreich. Wir begannen mit Obst- und Gemüseanbau sowie der Rosenzucht. Eine kleine Hühnerfarm half anderthalb Jahre lang mit Eiern und Hühnerfleisch. Als die Unterhaltskosten für die Hühner zu hoch wurden, blieben uns noch Enten und Gänse (ein Neufanfang ist geplant). Ein natürlicher Grundwasserteich gab ein Jahr hindurch einmal pro Woche gute Fische. Im zweiten Jahr zerstörte eine vier Monate anhaltende Trockenheit unseren „Anglertraum“. Lohnend war der Agrarbereich. Wir mussten für die schwere Bodenarbeit allerdings Tagelöhner einstellen. Die Erträge waren gute; was nicht bei uns verzehrt wurde ging am Wochenende zum Verkauf auf den Markt. Die Rosen wurden direkt an den Handel geliefert.

Im März 2005 hat das 3. Jahr unseres Projektes begonnen. Wir könnten hunderte von gefährdeten Mädchen aufnehmen, aber es fehlt hierfür jeden Monat der finanzielle Grundstock. Wir geben dennoch nicht auf, sondern diese Not ist für uns ein Ansporn, Patenschaften und Hilfsmittel in der zivilen Gemeinde und der Politik zu finden und weiter auf unsere deutschen Freunde zu zählen. Zur Zeit haben wir 74 (!) Mädchen und Heranwachsende in unserem Projekt. Diese verteilen sich auf jeweils eine Gruppe am Vor- und am Nachmittag. Die als 10 bis 12jährige zu uns kamen „erblühten“ an Körper und Geist. Die meisten haben heute ein glücklicheres Aussehen. Ihre Pubertätserscheinungen machten es notwendig, eine Psychologin und eine Pädagogin als Fachkraft einzustellen. Unsere Ehrenatlichen waren mit den Problemen der jungen Frauen überfordert. Die deutsche Provinz hat sich bereit erklärt, die Bezahlung dieser Kräfte zu übernehmen – welch ein Segen! Schwester Maria José, unsere einheimische Mitschwester, hat im letzten Jahr ihr Studium als Sozialassistentin abgeschlossen und steht nun für die Betreuung der Angehörigen unserer Mädchen grade. Für den Transport der im Umkreis von 30km lebenden Mädchen haben wir einen gebrauchten Kleinbus angeschafft.

 Schwester Maria Goretti Fuchs / im Juni 2005

Unsere Gemeinde unterstützt dieses Projekt auf Beschluss des PGR- Sachausschusses „Projekt-partnerschaft Eine Welt“.

So konnten bereits seit 2004 Gelder aus dem Pfarrfesterlös, aus der Sammlung von Stefan Bauer beim Pfarrfest und aus Überschüssen des Eine-Welt-Shops an die Olper Franziskanerinnen überwiesen werden.

Die Eine-Welt-Aktion Waldbröl e.V. stellt in jedem Jahr je ein Drittel des Jahreserlöses den drei Waldbröler Kirchengemeinden zur Weiterleitung an die Projekte dieser Gemeinden in der Dritten Welt zur Verfügung zur Verfügung. Das sind seit einigen Jahren fast regelmäßig 2500 € / Jahr für jede Gemeinde. Ein Drittel dieses Betrages wurde seit 2004 in jedem Jahr auf Beschluss des Pfarrgemeinderates für das Projekt "Traum der Alina" an die Olper Franziskannerinnen weitergeleitet. Die beiden anderen Drittel werden für die Frei Alberto-Schule in Sao Luis und für die Gemeindearbeit von Eva Pevec in El Alto bereitgestellt.

In ihrem Rundbrief zu Weihnachten 2005 läßt Sw.Maria einige Jugendliche zu Wort kommen, die ihre Eindrücke und Erfahrungen beschreiben, die sie in dieser Einrichtung sammeln durften.
Auch zu Weihnachten 2006 hat Sw. Maria Goretti von ihrer Arbeit und der Entwicklung des Projektes berichtet. In ihrem Brief zu Weihnachten 2007 stellt sie erneut die neuesten Entwicklungen, Fortschritte und Rückschläge dar. Diese Gedanken werden im Weihnachtsbrief 2008 aufgegriffen und fortgeschrieben.
Weitere interessante Informationen enthalten die Weihnachtsrundbriefe 2009 und 2010.

22.11.2010 /cl